Livius,
Ab urbe condita,
21,31

Am folgenden Tag brach er [Hannibal] auf und zog am Rhôneufer flussaufwärts in das Innere Galliens. Dies tat er nicht, weil der Weg zu den Alpen geradliniger gewesen wäre, sondern weil er glaubte, dem Römer umso weniger wahrscheinlich zu begegnen, je weiter er sich vom Meer entfernte. Denn bevor er nach Italien gelangt wäre, hatte er nicht die Absicht, mit diesem den Kampf aufzunehmen.

Nach vier Tagesmärschen erreichte er die sogenannte Insel. Dort fließen die Isère und die Rhône, die aus verschiedenen Teilen der Alpen herabkommen, mitten in der Ebene zusammen, nachdem sie ein beträchtliches Stück Land umschlossen haben. Daher erhielt das Gebiet den Namen „Insel“.

In der Nähe wohnen die Allobroger, ein Volk, das seit jeher keinem gallischen Stamm an Macht oder Ansehen nachstand. Damals aber waren sie untereinander zerstritten. Zwei Brüder stritten um die Königsherrschaft. Der ältere, Braneus mit Namen, der zuvor geherrscht hatte, wurde von seinem jüngeren Bruder und einer Schar jüngerer Männer vertrieben, die zwar weniger Recht, dafür aber mehr Gewalt auf ihrer Seite hatten.

Als die Entscheidung über diesen Aufruhr zu einem für Hannibal äußerst günstigen Zeitpunkt an ihn herangetragen wurde, machte man ihn zum Schiedsrichter über die Königsherrschaft. Da dies der Auffassung des Rates und der führenden Männer entsprach, gab er dem älteren Bruder die Herrschaft zurück.

Für diesen Dienst wurde er mit Proviant und einer Fülle von Dingen aller Art unterstützt, vor allem mit Kleidung, deren Bereitstellung die für ihre Kälte berüchtigten Alpen erforderlich machten.