Strabon,
Geographika,
IV,1,2

Das ganze Land wird von Flüssen bewässert. Einige von ihnen fließen von den Alpen herab, andere vom Cemmene-Gebirge und von den Pyrenäen. Manche münden in den Ozean, andere in unser Meer. Die Gebiete, durch die sie fließen, bestehen größtenteils aus Ebenen und Hügellandschaften mit schiffbaren Wasserläufen.
Die Flussläufe sind von Natur aus so günstig zueinander gelegen, dass Waren von einem Meer zum anderen transportiert werden können. Nur über eine kurze Strecke müssen die Ladungen auf dem Landweg befördert werden, wobei der Transport durch die Ebenen leicht zu bewältigen ist. Den größten Teil des Weges werden sie jedoch auf den Flüssen transportiert – auf einigen ins Landesinnere, auf anderen zum Meer.
Der Rhodanus bietet hierbei einen besonderen Vorteil. Er besitzt nicht nur, wie bereits erwähnt, zahlreiche Nebenflüsse,¹² sondern steht auch mit unserem Meer in Verbindung, das günstiger ist als das äußere Meer, und durchquert eine Landschaft, die zu den fruchtbarsten dieser Gegend gehört.
So bringt beispielsweise die gesamte Provinz Narbonitis dieselben Früchte hervor wie Italien. Wenn man weiter nach Norden zum Cemmene-Gebirge gelangt, enden zwar die mit Olivenbäumen bepflanzten und Feigen tragenden Gebiete, doch die übrigen Erzeugnisse gedeihen weiterhin. Auch die Rebe bringt, je weiter man nach Norden kommt, ihre Früchte nicht mehr leicht zur Reife.
Das übrige Land erzeugt große Mengen an Getreide, außerdem Hirse, Nüsse und alle Arten von Vieh. Kein Teil des Landes liegt unbebaut, mit Ausnahme jener Gebiete, in denen Sümpfe und Wälder den Ackerbau verhindern. Doch selbst diese Gegenden sind dicht besiedelt – eher aufgrund der großen Bevölkerungszahl¹³ als wegen des Fleißes der Menschen. Denn die Frauen sind nicht nur gebärfreudig, sondern auch gute Ammen, während die Männer eher Krieger als Bauern sind.