Athenaeus,
Deipnosophistai
IV, 151e–152d
Poseidonios, der Philosoph aus der Stoa, trug in seinem Geschichtswerk zahlreiche Sitten und Gebräuche vieler Völker zusammen, die mit seinen philosophischen Lehren in Verbindung standen. Er schreibt:
„Die Kelten breiten Heu auf dem Boden aus, wenn sie ihre Mahlzeiten einnehmen. Sie essen an Holztischen, die nur wenig über dem Boden erhöht sind. Ihre Nahrung besteht aus wenigen Brotlaiben, dafür aber aus großen Mengen Fleisch, das in Wasser gekocht oder über Kohlen beziehungsweise an Spießen gebraten wird.
Sie essen zwar auf reinliche Weise, jedoch mit löwenhaftem Appetit. Dabei ergreifen sie ganze Fleischstücke mit beiden Händen und beißen das Fleisch vom Knochen ab. Lässt sich ein Stück nur schwer abtrennen, schneiden sie es mit einem kleinen Messer ab, das griffbereit in seiner Scheide in einem besonderen Behältnis liegt.
Diejenigen, die an Flüssen oder am inneren beziehungsweise äußeren Meer wohnen, essen außerdem Fisch, der mit Salz, Essig und Kreuzkümmel zubereitet wird. Kreuzkümmel geben sie auch in ihren Wein. Olivenöl verwenden sie wegen seiner Seltenheit nicht; da sie es nicht kennen, erscheint es ihnen unangenehm.
Wenn mehrere gemeinsam speisen, sitzen sie im Kreis. Der Mächtigste unter ihnen, der sich durch Kriegstüchtigkeit, vornehme Abstammung oder Reichtum vor den anderen auszeichnet, sitzt in der Mitte wie der Anführer eines Chores. Neben ihm sitzt der Gastgeber; daran schließen sich auf beiden Seiten die übrigen Gäste entsprechend ihrem jeweiligen Rang an.
Bewaffnete Männer mit länglichen Schilden stehen dicht hinter ihnen. Ihre Leibwächter sitzen ihnen unmittelbar gegenüber im Kreis und nehmen ebenso wie ihre Herren am Mahl teil.
Die Diener reichen die Getränke in Gefäßen, die unseren Schnabelbechern ähneln und entweder aus Ton oder aus Silber bestehen. Ähnlich beschaffen sind auch die Platten, auf denen die Speisen serviert werden. Manche verwenden jedoch Platten aus Bronze, andere Körbe aus Holz oder geflochtenem Weidenwerk.
In den Häusern der Reichen trinkt man Wein, der aus Italien und aus der Gegend um Massalia eingeführt wird. Er wird ungemischt getrunken, bisweilen jedoch mit etwas Wasser versetzt. Die ärmere Bevölkerung trinkt dagegen ein aus Weizen gebrautes Bier, dem Honig zugesetzt wird; die breite Masse trinkt es ohne Honig. Es heißt ‚Corma‘.
Sie trinken aus demselben Becher jeweils nur wenig, nicht mehr als einen kleinen Becher voll, dafür aber recht häufig. Der Sklave reicht das Getränk von links nach rechts und anschließend von rechts nach links herum.²² Auf diese Weise werden sie bedient. Auch bei der Verehrung der Götter wenden sie sich nach rechts.“