Das Grabhügelfeld
am Burrenhof
Unmittelbar beim heutigen Heidengrabenzentrum befindet sich eines der bedeutendsten hallstattzeitlichen Grabhügelfelder der Schwäbischen Alb: das Grabhügelfeld am Burrenhof. Heute sind auf dem Gelände sechs rekonstruierte Hügel sichtbar. Sie markieren jedoch nur einen kleinen Teil einer ursprünglich deutlich größeren Nekropole.
Die heutigen Hügel sind keine original erhaltenen. Sie wurden auf Grundlage archäologischer Erkenntnisse an ihren historischen Standorten wieder aufgeschüttet. Dadurch lassen sich Größe, Anordnung und Wirkung des einstigen Gräberfeldes im Gelände erneut nachvollziehen.Die ursprünglichen Grabhügel und die bei archäologischen Untersuchungen freigelegten Befunde wurden nach ihrer Erforschung wieder mit Erde überdeckt. Diese Schutzschicht bewahrt die erhaltenen Bodendenkmale vor Witterungseinflüssen und Beschädigungen. Deshalb sind die ursprünglichen Strukturen heute im Gelände kaum noch oder gar nicht mehr sichtbar.
Grabhügel als soziale Monumente der Hallstattzeit
Archäologische Untersuchungen und historische Dokumentationen belegen hier rund vierzig Grabhügel, die sich einst über ein wesentlich größeres Areal erstreckten. Nach den Ausgrabungen im 20. Jahrhundert wurden mehrere Hügel an ihren ursprünglichen Standorten wieder aufgeschüttet. Diese Rekonstruktionen erfolgten mit Fremderde, um die im Boden erhaltenen Befunde dauerhaft zu schützen und zugleich die ursprüngliche Monumentalität der Anlage im Landschaftsbild nachvollziehbar zu machen.
Das Gräberfeld gehört in die Hallstattzeit (ca. 8.–5. Jahrhundert v. Chr.), also in die frühe Eisenzeit Mitteleuropas.Grabhügelbestattungen sind ein charakteristisches Element der hallstattzeitlichen Bestattungssitte. Sie waren nicht nur Grabstätten, sondern sichtbare Monumente sozialer Stellung. Der Bau eines Hügelgrabes erforderte beträchtliche organisatorische und materielle Ressourcen: die Anlage einer Grabkammer, umfangreiche Erdarbeiten sowie die Niederlegung wertvoller Beigaben.
Solche Bestattungen waren daher in der Regel gesellschaftlich herausgehobenen Personen vorbehalten. Besonders deutlich wird dies bei sogenannten Wagenbestattungen, bei denen dem Verstorbenen ein zweirädriger Wagen beigegeben wurde – ein Statussymbol der hallstattzeitlichen Elite.
Ein eindrucksvolles Beispiel liefert Grabhügel 17 des Burrenhof-Gräberfeldes. In diesem Hügel wurden die Reste eines solchen Wagens entdeckt. Der Fund gehört zur sogenannten schwäbischen Wagenbaugruppe, einer Gruppe von etwa fünfzehn bislang bekannten Wagenfunden aus Südwestdeutschland, die typologisch eng miteinander verwandt sind. Solche Wagenbeigaben gelten als wichtiger Hinweis auf die Existenz regionaler Eliten innerhalb der hallstattzeitlichen Gesellschaft.
Im Heidengrabenzentrum wird eine Rekonstruktion dieses Wagens zusammen mit einer Darstellung einer hallstattzeitlichen Grabkammer gezeigt. Sie vermittelt einen Eindruck davon, wie eine solche Bestattung ursprünglich ausgesehen haben könnte.
Zwischen regionaler Elite und hallstattzeitlichen Machtzentren
Die Befunde vom Burrenhof lassen sich in einen größeren archäologischen Zusammenhang einordnen. Während der Hallstattzeit entwickelte sich in Südwestdeutschland ein Netzwerk bedeutender politischer und wirtschaftlicher Zentren. In der archäologischen Forschung werden diese Plätze häufig als „Fürstensitze“ bezeichnet.
Zu den bekanntesten Beispielen gehören die Heuneburg an der oberen Donau sowie die reich ausgestatteten Fürstengräber von Hochdorf bei Stuttgart oder der monumentale Hügel Hohmichele bei der Heuneburg. Der Grabhügel des sogenannten Fürsten von Hochdorf besaß ursprünglich etwa 40 Meter Durchmesser und rund 8 Meter Höhe und zählt damit zu den eindrucksvollsten Grabanlagen dieser Epoche.
Die Hügel des Burrenhof-Gräberfeldes sind deutlich kleiner. Dennoch zeigen sie, dass auch im Umfeld dieser überregionalen Machtzentren lokale oder regionale Eliten existierten, die über genügend Ressourcen verfügten, um monumentale Bestattungen anzulegen.
Das Gräberfeld vermittelt damit einen wichtigen Einblick in die mehrstufige soziale Struktur der hallstattzeitlichen Gesellschaft, die zwischen lokalen Gemeinschaften, regionalen Eliten und überregionalen Machtzentren organisiert war.
Eine Nekropole mit langer Tradition
Der Platz am Burrenhof besitzt vermutlich eine noch ältere Nutzungsgeschichte. Hinweise deuten darauf hin, dass das Areal bereits in der Bronzezeit als Bestattungsplatz genutzt wurde.
Damit gehört der Ort zu jenen Landschaftspunkten, die über viele Generationen hinweg als Nekropole dienten. Solche Plätze wurden häufig bewusst wieder genutzt, weil sie bereits Teil des kulturellen Gedächtnisses einer Gemeinschaft waren.
Die hallstattzeitlichen Grabhügel knüpfen somit wahrscheinlich an eine ältere Bestattungstradition an und erweiterten eine bereits bestehende Gräberlandschaft.
Alte Hügel in der keltischen Großsiedlung
Mehrere Jahrhunderte nach der Anlage der hallstattzeitlichen Grabhügel veränderte sich die Nutzung der Landschaft grundlegend. In der Spätlatènezeit, etwa ab dem 2. Jahrhundert v. Chr., entstand rund um den Heidengraben eine der größten keltischen Siedlungen Europas.
Das Oppidum Heidengraben umfasste ein Areal von bis etwa 1.800 Hektar und war durch ein komplexes System von Wällen und Toranlagen befestigt. Innerhalb dieses gewaltigen Siedlungsraumes lagen auch die deutlich älteren Grabhügel des Burrenhofs.
Für die Bewohner der spätlatènezeitlichen Siedlung waren diese Hügel daher bereits mehrere Jahrhunderte alte Monumente. Anders als heute dürften sie damals noch vollständig erhalten und deutlich höher gewesen sein und damit weithin sichtbar die Landschaft geprägt haben.
Eine wichtige Verkehrsachse innerhalb des Oppidums verlief vermutlich entlang dieses Gräberfeldes. Sie verband Tor F, das unmittelbar hinter dem heutigen Heidengrabenzentrum liegt, mit Tor G, dessen Anlage bei Erkenbrechtsweiler teilweise rekonstruiert ist. Die Straße führte damit in unmittelbarer Nähe der alten Grabhügel vorbei – ein Hinweis darauf, dass diese Monumente auch in der spätlatènezeitlichen Siedlungslandschaft weiterhin eine topographische und möglicherweise symbolische Bedeutung besaßen.
Erinnerung in der Landschaft
Das Grabhügelfeld am Burrenhof veranschaulicht eindrucksvoll die außergewöhnliche zeitliche Tiefe der Kulturlandschaft am Heidengraben. An kaum einem anderen Ort überlagern sich so deutlich mehrere Epochen der Vorgeschichte.
Der Platz wurde vermutlich bereits in der Bronzezeit als Bestattungsort genutzt. In der Hallstattzeit entstand hier eine ausgedehnte Nekropole mit zahlreichen Grabhügeln, die über Generationen hinweg das Landschaftsbild prägten. Jahrhunderte später integrierten die Bewohner des spätlatènezeitlichen Oppidums diese bereits alten Monumente in den Siedlungsraum ihrer Großstadt.
Die Grabhügel am Burrenhof waren für die Menschen der späten Eisenzeit somit nicht nur Relikte einer vergangenen Epoche. Sie waren sichtbare Erinnerungsorte einer langen regionalen Geschichte – Monumente, die das Gedächtnis der Landschaft bewahrten und noch Jahrhunderte nach ihrer Errichtung den Raum am Heidengraben prägten.
Heute erlauben die rekonstruierten Hügel einen seltenen Blick auf diese vielschichtige Vergangenheit. Wer hier steht, blickt nicht nur auf ein hallstattzeitliches Gräberfeld, sondern auf einen Ort, an dem sich über Jahrtausende hinweg die Geschichte der keltischen Landschaft am Heidengraben verdichtet hat.
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