Diodorus Siculus,
Bibliotheca historica
V, 27,1–4

In ganz Gallien gibt es so gut wie kein Silber, wohl aber Gold in großer Menge, das die Natur den Bewohnern ohne Bergbau und ohne mühevolle Arbeit zur Verfügung stellt. Denn die Flüsse, die das Land durchströmen, reißen aufgrund ihrer zahlreichen Windungen und ihres Anprallens an die Berge große Gesteinsmassen mit sich fort und führen goldhaltigen Sand mit sich.

Diejenigen, die sich mit seiner Gewinnung beschäftigen, sammeln diesen Sand, zerkleinern die goldhaltigen Brocken und waschen mit Wasser die erdigen Bestandteile aus. Anschließend schmelzen sie das Gold in Schmelzöfen ein.

Auf diese Weise gewinnen sie große Mengen Gold, das sowohl von den Frauen als auch von den Männern als Schmuck getragen wird. Sie tragen Armreifen an Handgelenken und Oberarmen, schwere Halsringe aus massivem Gold, große Fingerringe und sogar goldene Brustpanzer.

Eine eigentümliche und bemerkenswerte Sitte findet sich bei den Kelten des Binnenlandes im Zusammenhang mit den Heiligtümern der Götter: In den Tempeln und geweihten Bezirken ihres Landes wird eine große Menge Gold als Weihgabe für die Götter niedergelegt. Aus religiöser Ehrfurcht wagt kein Einheimischer, dieses Gold anzurühren, obwohl die Kelten sonst als außerordentlich habgierig gelten.