Diodorus Siculus
Bibliotheca historica,
V,26,1–3
1 Etwas Eigentümliches und Unerwartetes geschieht im größten Teil Galliens, das wir nicht unerwähnt lassen möchten. Denn aus der Richtung des sommerlichen Sonnenuntergangs und von den Nordwinden her pflegen Winde von solcher Heftigkeit und Gewalt zu wehen, dass sie vom Boden Steine von der Größe, wie man sie in der Hand halten kann, zusammen mit grobem Kiesstaub aufwirbeln; ja, allgemein gesprochen, wenn diese Winde heftig toben, reißen sie den Männern die Waffen aus den Händen, die Kleidung vom Rücken und werfen Reiter von ihren Pferden.
2 Da durch die übermäßige Kälte die Milde des Klimas aufgehoben ist, bringt das Land weder Wein noch Öl hervor. Daher bereiten jene Gallier, denen diese Erzeugnisse fehlen, ein Getränk aus Gerste, das sie zythos (Bier) nennen, und sie trinken auch das Wasser, mit dem sie ihre Honigwaben reinigen.
3 Die Gallier sind außerordentlich dem Weingenuss ergeben und trinken den Wein, der von Händlern in ihr Land gebracht wird, ungemischt. Da sie diesem Getränk aus Begierde maßlos zusprechen, fallen sie, wenn sie betrunken sind, entweder in Betäubung oder in einen Zustand der Raserei. Deshalb halten viele italische Kaufleute – von der ihnen eigenen Gewinnsucht getrieben – die Weinliebe dieser Gallier für einen wahren Glücksfall. Denn sie transportieren den Wein auf schiffbaren Flüssen mit Booten und über das ebene Land mit Wagen und erzielen dafür einen unglaublichen Preis: Für ein Gefäß Wein erhalten sie einen Sklaven – sie bekommen also für ein Getränk einen Diener.