Elsachstadt –
das Herzstück der
keltischen Großsiedlung
Das Zentrum der keltischen Siedlung wird „Elsachstadt“ genannt – ein moderner Name, abgeleitet von der nahen Elsachquelle. Mit rund 170 Hektar nahm die Elsachstadt nur einen Teil der Gesamtanlage ein, war aber zusätzlich befestigt und archäologisch von besonderer Bedeutung.
Was Archäologen wirklich sehen.
Von den Häusern und Wegen der spätkeltischen Zeit ist über der Erde fast nichts mehr erhalten. Sichtbar sind heute vor allem die Wälle. Das Wissen über die Elsachstadt entsteht deshalb aus Grabungen, geophysikalischen Messungen und aus Funden im Boden. Keramik, Glasarmringe, Fibeln, Münzen und Amphorenscherben zeigen, dass hier Menschen wohnten, arbeiteten und mit Dingen aus nahen und fernen Regionen umgingen. Auffällig ist zugleich, was fehlt: Bisher hat man in der Elsachstadt keine Bestattungen gefunden. Vielleicht auch ein Hinweis auf die besondere Siedlungsstruktur die definierte Bereiche vorsieht?
Geplant statt zufällig.
Neue Untersuchungen haben das Bild der Elsachstadt deutlich verändert. Im Jahr 2021 konnten in einem nordöstlichen Teilbereich erstmals vollständige spätlatènezeitliche Hausgrundrisse genauer erfasst werden. Die Befunde zeigen nicht nur einzelne Gebäude, sondern eine auffällige Ordnung: Mehrere Strukturen liegen parallel oder rechtwinklig zueinander und folgen offenbar denselben Wegachsen, die durch Tor A und Tor B in die Siedlung führten. Das spricht dafür, dass die Bebauung nicht ungeordnet gewachsen ist, sondern nach einem gemeinsamen Konzept angelegt wurde. Die Elsachstadt war also kein loses Häuserfeld, sondern ein bewusst strukturierter Siedlungsraum.
Wohnen, arbeiten, lagern.
Gerade weil aus der Elsachstadt die meisten und qualitätsvollsten Funde stammen, gilt sie als funktionales Zentrum des Heidengrabens. Hier standen Wohn- und Wirtschaftsgebäude, hier wurden Dinge genutzt, repariert, gelagert und wohl auch verteilt. Importierte Amphoren verweisen auf überregionale Kontakte, während Keramik, Metallobjekte und Schmuck den Alltag vor Ort greifbar machen. Die archäologischen Spuren lassen deshalb erkennen, dass die Elsachstadt nicht nur ein geschützter Platz war, sondern ein lebendiger Raum, in dem viele Tätigkeiten zusammenliefen. Für den Heidengraben insgesamt ist genau dieser Zusammenhang von Siedlung, Handwerk, Versorgung und Austausch kennzeichnend.
Wissen mit Fragezeichen.
Wie viele Menschen genau in diesem Zentrum lebten, lässt sich bislang nicht sicher sagen. Auch der antike Name des Ortes ist unbekannt. Vorschläge, den Heidengraben mit dem später überlieferten Ort Riusiava zu verbinden oder als Hauptort der Tiguriner zu deuten, sind aus heutiger Sicht spekulativ. Deshalb wird auf dem Erlebnisfeld selbst die Bezeichnung Elsachstadt und Oppidum Heidengraben als moderne Annäherung verwendet. Selbst das Ende der Siedlung bleibt in vielem rätselhaft. Einige neue Befunde zeigen verbrannte Gebäude und bewusst verfüllte Pfostengruben. Das könnte auf planvolle Räumungs- oder Abschlussrituale hindeuten – sicher ist vorerst nur, dass die Geschichte der Elsachstadt noch nicht fertig erzählt ist.
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