Das Huhn –
Ein Exot in der keltischen Welt
Heute gehören Hühner zu den häufigsten Nutztieren der Erde. In der späten Keltenzeit waren sie dagegen noch vergleichsweise neu. Ihre Vorfahren stammen aus Südostasien und gelangten über viele Generationen hinweg entlang von Handelswegen nach Europa.
Als die ersten Hühner Mitteleuropa erreichten, waren sie keine gewöhnlichen Nutztiere. Für die Menschen der Eisenzeit waren sie etwas Besonderes – Tiere aus einer fremden Welt, die Aufmerksamkeit erregten und möglicherweise auch Prestige besaßen.
Die ersten Hühner Europas
Neuere Forschungen zeigen, dass Hühner zunächst kaum gegessen wurden. Anders als Schweine, Schafe oder Rinder spielten sie für die Ernährung lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wurden sie oft über viele Jahre gehalten und vereinzelt sogar sorgfältig bestattet.
Für Archäologinnen und Archäologen ist das ein bemerkenswerter Befund. Er zeigt, dass Hühner zunächst nicht als Nahrungsquelle betrachtet wurden, sondern als besondere Tiere, die einen eigenen Platz innerhalb der Gemeinschaft hatten.
Die Kelten und neue Ideen
Die späte Keltenzeit war eine Epoche intensiver Kontakte. Händler, Handwerker und Reisende verbanden Regionen zwischen Atlantik und Mittelmeer. Mit Waren gelangten auch neue Technologien, Pflanzen und Tiere nach Mitteleuropa.
Das Huhn ist ein Beispiel für diesen kulturellen Austausch. Sein Weg führte über Tausende von Kilometern bis in die keltischen Siedlungen Mitteleuropas. Seine Verbreitung zeigt, wie eng die Menschen der Eisenzeit bereits miteinander vernetzt waren.
Vom seltenen Tier zum Alltagsbegleiter
Als am Heidengraben die ersten Hühner gehalten wurden, waren sie im Mittelmeerraum längst bekannt. Davon zeugen sogar Darstellungen in der antiken Kunst. Auf einer etruskisch beeinflussten Grabmalerei aus Paestum in Süditalien, die um 480 v. Chr. entstand, ist bereits ein Huhn abgebildet. Solche Bilder zeigen, dass das Tier in den Kulturen des Mittelmeerraums schon fest zum Alltag gehörte – lange bevor es auch nördlich der Alpen selbstverständlich wurde. Griechische Naturforscher beschrieben ihr Verhalten, römische Autoren verfassten ganze Handbücher über ihre Haltung. In Rom konnten Hühner sogar über Krieg und Frieden mitentscheiden: Vor wichtigen Schlachten befragte man sogenannte „heilige Hühner“ nach dem Willen der Götter.
Erst im Verlauf der späten Eisenzeit begann sich die Rolle des Huhns zu verändern. Eier und Fleisch wurden zunehmend genutzt, und aus dem exotischen Tier wurde langsam ein vertrauter Bestandteil des Alltags.
Funde aus Süddeutschland zeigen, dass Hühnereier spätestens gegen Ende der Eisenzeit verzehrt wurden. Solche Entdeckungen helfen dabei, den Wandel von einer seltenen Besonderheit hin zu einem alltäglichen Nutztier nachzuvollziehen.
Ein Blick in den Alltag
Große Befestigungen, mächtige Tore und monumentale Wälle erzählen von Politik und Organisation. Das Huhn erzählt eine andere Geschichte: die Geschichte des täglichen Lebens.
Es erinnert daran, dass die Menschen am Heidengraben nicht nur Mauern bauten und Handel betrieben. Sie kümmerten sich um Tiere, bereiteten Nahrung zu und übernahmen neue Gewohnheiten aus einer Welt, die weit über die Schwäbische Alb hinausreichte.
Weitere Bildnachweise:
Galerie:
- Nobody75: "Schwedisches Blumenhuhn", Henne, Eigenes Werk, Lizenz: Public Domain (Quelle: Wikimedia Commons), Änderungen: Hintergrund mit KI erweitert.
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