Lucanus,
Bellum civile (Pharsalia)
3,399–452

Da war ein Hain, niemals entweiht seit Menschengedenken, dessen verschlungene Äste umfingen dunkle Luft und kalte Schatten, indem die Sonnenstrahlen von oben ferngehalten wurden. Diesen haben keine ländlichen Pane noch Silvane, die Herren der Haine, noch Nymphen inne, sondern ein Götterkult von barbarischem Ritus; Altäre sind aufgerichtet mit schrecklichen Schlachtbänken und jeder Baum ist mit Menschenblut geweiht.

Wenn die lange Dauer, die die Götter bewundert, Vertrauen verdient, so scheuen sich Vögel sich auf jenen Zweigen niederzulassen und wilde Tiere sich in dem Dickicht zu lagern. Weder ein Wind legte sich, noch die aus schwarzen Wolken geschleuderten Blitze trafen diesen Wald, und obwohl die Bäume ihr Blattwerk keinem Lufthauch aussetzen, wohnt in ihnen ein eigener Schauer.

Aus dunklen Quellen stürzt reichlichst Wasser und traurige, kunstlose Götterbilder ragen unförmig geschnitzt aus Strünken. Selbst der Moder und die Blässe des faulenden Holzes setzen in Schrecken; so fürchten sie nicht geheiligte Götterbilder von gewöhnlicher Gestalt: so sehr steigert sich die Angst, wenn man die Götter, die man fürchten soll, nicht kennt.

Außerdem geht das Gerücht, daß oft bei einem Erdbeben die hohlen Kavernen dröhnen, daß Eiben umstürzen und sich wiederum erheben, daß Waldbrände auflodern ohne Feuer und daß sich Schlangen rings um die Baumstämme ringeln.

Nicht besuchen diesen Hain die Völker, um ihn von näher zu verehren, sondern haben ihn den Göttern überlassen. Wenn Phoebus am Mittagshimmel steht oder dunkle Nacht den Himmel beherrscht, dann wagt selbst der Priester nicht, einzutreten, aus Angst den Herrn des Hains zu überraschen.