Strabon,
Geographika

IV,4,2

Alle Gallier sind von Natur aus kriegerisch. Sie kämpfen jedoch besser zu Pferde als zu Fuß, und aus ihren Reihen rekrutiert sich die Elite der römischen Reiterei. Die tapfersten unter ihnen wohnen im Norden, nahe am Ozean.

IV,6,2

Da die Ligurer in die Ingauner und die Intemelier gegliedert waren, erhielten auch ihre Küstenkolonien entsprechende Namen: die eine hieß Albium Intemelium, gleichsam das alpine Albium, die andere in verkürzter Form Albingaunum. Zu diesen beiden ligurischen Stämmen fügt Polybios noch die Oxybier und die Dekiaten hinzu.

Die gesamte Küste vom Hafen des Monoikos bis nach Tyrrhenien verläuft ohne Unterbrechung und besitzt kaum Häfen, sondern lediglich einige kleine Reeden und Ankerplätze. Darüber erheben sich die schroffen Felsen der Alpen und lassen am Meer nur einen schmalen Durchgang frei.

Dieses Gebiet, besonders aber das Gebirge, wird von Ligurern bewohnt. Sie leben hauptsächlich von ihren Viehherden, von Milch und einem Getränk aus Gerste. Es gibt dort reichlich Holz für den Schiffbau; die Bäume erreichen gewaltige Ausmaße, manche sollen einen Durchmesser von acht Fuß besitzen. Vieles von diesem Holz ist schön gemasert und für kunstvolle Arbeiten dem Zedernholz ebenbürtig.

Holz, Viehprodukte, Häute und Honig bringen die Ligurer auf den Markt von Genua und erhalten dafür Öl und Wein aus Italien. Der wenige Wein, den ihr eigenes Land hervorbringt, ist herb und schmeckt nach Harz. Dort werden auch die kleinen Pferde und Maultiere gezüchtet, die man ginni nennt, ebenso die ligurischen Tuniken und Mäntel gefertigt. Außerdem findet sich dort reichlich das sogenannte Lingurium, das manche auch Elektron nennen.

Im Krieg setzen die Ligurer nur wenige Reiter ein; ihre Infanterie hingegen ist tüchtig, und besonders ihre Schleuderer sind ausgezeichnet. Manche haben aus ihren bronzenen Schilden geschlossen, die Ligurer seien griechischer Herkunft.