Mehrere zerbrochene Keramikgefäße und Scherben liegen auf einem dunklen Untergrund und veranschaulichen archäologische Funde aus der Keltenzeit.

Wein
verbindet
Welten

Ein Fund am Heidengraben sticht besonders hervor: italische Weinamphoren. Die bislang am Heidengraben dokumentierten Amphorenscherben entsprechen bereits über 2.000 Litern importierten Weins – das sind rund 2.600 heutige Flaschen. Und das, obwohl bisher nur ein kleiner Teil des riesigen Areals archäologisch untersucht wurde. Die Datierung der Funde (ca. 130/120–100/90 v. Chr.) fällt genau in die Blütezeit des Oppidums.

Ein mediterranes Getränk auf der Schwäbischen Alb

Naturwissenschaftliche Analysen einzelner Amphoren zeigen vulkanische Einschlüsse im Ton – winzige Minerale wie Augit. Solche Bestandteile sind typisch für Mittelitalien, insbesondere für Region Kampanien, das Gebiet um den Vulkan Roccamonfina. Der hier konsumierte Wein dürfte daher aus Landschaften am Tyrrhenischen Meer stammen – über 1.000 Kilometer entfernt.

WEITERLESEN

Von dort gelangte er per Schiff und Fluss ins Binnenland, vermutlich über Rhône- und Neckarsysteme. Über den Neckar und anschließende Landwege erreichten die Amphoren schließlich das Oppidum auf der Albhochfläche. Handel verband hier Mittelmeer und Mitteleuropa.

Ein Ochsenkarren mit Menschen, die in begleitend darauf geladen Amphoren, er fährt auf einem staubigen Weg über Wiesen.
So oder so ähnlich kam der Wein vielleicht ins Oppidum Heidengraben. Gut gepolstert und in einem Tross von Händlern.

Wer trank diesen Wein?

Antike Autoren wie Poseidonios berichten von keltischen Trinkgewohnheiten. Importierter Wein wurde demnach vor allem in gehobenen gesellschaftlichen Kreisen konsumiert. Bei Diodor Siculus wird die Sitte beschrieben, den Wein ungemischt zu trinken. Hier wird auch explizit erwähnt, dass der übermäßige Weindurst der Kelten sehr zu Gunsten der italischen Kaufleute ausfiel. Athenaeus schildert in den Worten Poseidonios auch den hohen Weindurst der Kelten und beschreibt sogar, wie so ein Gastmahl ausgesehen haben könnte.
Während große Teile der Bevölkerung eher bierartige Getränke tranken, galt mediterraner Wein als Zeichen von Rang, Gastfreundschaft und sozialer Stellung. Auch in rituellen Zusammenhängen wird er erwähnt. Ein kleines Henkelfragment einer italischen Bronzekanne belegt dies archäologisch. Solche „Kelheimer Kannen“ gelten als prestigeträchtige Importstücke und sind auch aus anderen Oppida bekannt.
Wein war hier kein zufälliger Luxusartikel, sondern Bestandteil eines regelmäßig organisierten Fernhandels.

Wurde hier selbst Wein angebaut?

Für Südfrankreich ist lokaler Weinbau bereits seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. belegt, unter anderem im Umfeld der griechischen Kolonie Marseille.
Nördlich der Alpen fehlen für die Spätlatènezeit jedoch eindeutige Hinweise auf großflächigen Eigenanbau.
Am Heidengraben sprechen Höhenlage (ca. 700 m) und Fundlage klar für Import – nicht für lokale Produktion. Der Wein war hier ein begehrtes Handelsgut, kein heimisches Erzeugnis.

Mehr als nur Scherben

Die Amphorenreste, die heute unter anderem im Museum Heidengraben in Grabenstetten zu sehen sind, sind weit mehr als Keramikbruchstücke.
Sie sind greifbare Zeugnisse eines europaweiten Wirtschaftsraums. Sie zeigen, dass keltische Gesellschaften nicht isoliert waren, sondern aktiv am Handel und kulturellen Austausch teilnahmen.
Vor über 2.000 Jahren war die Schwäbische Alb Teil eines Netzes, das vom Tyrrhenischen Meer bis an Rhein und Donau reichte.


Wein verbindet - verbinden Sie Ihr Logo mit Kultur und Regionalität!